Es gibt Momente, in denen man merkt, dass sich etwas grundlegend verschiebt. Nicht laut und nicht mit einer großen Ankündigung, sondern schleichend – bis man irgendwann feststellt, dass das Web, das man einmal kannte, ein anderes geworden ist.
Ich arbeite seit über zehn Jahren im Web, mit WordPress, mit Open Source, mit Projekten, bei denen es darum geht, digitale Räume zu schaffen, die wirklich funktionieren – für Menschen, nicht für Algorithmen. In dieser Zeit habe ich viel verändert gesehen, manches zum Besseren, vieles in eine Richtung, die mich nachdenklich macht.
Das Web war einmal ein Versprechen. Offen, dezentral, für alle zugänglich, ohne einen Konzern, der entscheidet, was sichtbar ist, und ohne ein Monopol, das bestimmt, welche Stimmen gehört werden. Eine Infrastruktur, die gehört – wenn nicht allen, dann zumindest keinem Einzelnen. Dieses Versprechen ist nicht tot, aber es steht unter Druck, und dieser Druck ist in den letzten Jahren spürbarer geworden.
Plattformen haben das Web nicht ersetzt – sie haben es überlagert
Für viele Menschen ist das Web heute gleichbedeutend mit Facebook, Instagram oder TikTok – nicht eine Sammlung von Websites, sondern eine Handvoll Oberflächen, die entscheiden, was relevant ist und was nicht. Wer dort nicht existiert, existiert für viele schlicht nicht. Das ist kein neues Problem, aber es verschärft sich, und es bekommt gerade neue Dimensionen: KI-Systeme trainieren auf Inhalten, die das offene Web über Jahre produziert hat, und geben die Ergebnisse zurück, ohne den Ursprung sichtbar zu machen. Suchmaschinen beantworten Fragen direkt, statt auf die Quellen zu verweisen, aus denen die Antworten stammen. Das Netz wird gelesen und ausgewertet, aber die Verbindung zu dem, was es trägt und am Leben hält, wird dabei schwächer.
Gleichzeitig liegt ein Großteil der digitalen Infrastruktur, auf der das Web läuft, in den Händen einer kleinen Zahl von Unternehmen – Cloud-Anbieter, Browser-Hersteller, Plattformen. Wer den Stack kontrolliert, kontrolliert letztlich auch die Möglichkeiten, und das ist eine Machtkonzentration, über die wir als Branche noch viel zu wenig reden.
Warum ich das trotzdem nicht aufgebe
Ich könnte an dieser Stelle pessimistisch enden, aber das wäre nicht ehrlich – denn gleichzeitig gibt es mehr Menschen, die sich ernsthaft mit diesen Fragen beschäftigen, als ich es vor einigen Jahren noch erwartet hätte. Menschen, die unter eigenen Domains bloggen, eigene Server betreiben, eigene Newsletter verschicken – weil sie verstanden haben, dass digitale Unabhängigkeit kein Luxus ist, sondern eine bewusste Entscheidung. Menschen, die Mastodon nutzen, weil sie die Logik von Dezentralität wirklich durchdacht haben, und die in Open-Source-Projekten mitarbeiten, nicht weil sie dafür bezahlt werden, sondern weil sie glauben, dass es wichtig ist.
Das Web ist nicht verloren – es ist umkämpft, und das ist ein Unterschied, der zählt.
In diesem Kontext macht es für mich Sinn, eine eigene Stimme zu haben, nicht als Content-Strategie, sondern als Haltung. Dieser Blog ist mein Versuch, das auszudrücken: was ich beobachte, was ich denke, was mich beschäftigt – rund um Web-Technologie, Open Source, WordPress und digitale Unabhängigkeit, und immer wieder auch um die Frage, wie wir das Web gestalten, das wir eigentlich wollen. Es werden keine fertigen Antworten sein, die ich hier teile, aber es werden ehrliche Gedanken sein.
Ich freue mich, wenn du dabei bist.

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